Cochlea-Implantate vernetzen das Gehirn neu

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© Deutscher Scherhörigenbund e.V. – KI generiert

Wenn ein Ohr verstummt:
Wie Cochlea-Implantate das Gehirn neu vernetzen

  • Einseitige Ertaubung (Single-Sided Deafness, kurz: SSD) führt zu neuroplastischen Veränderungen im Gehirn und ist weit mehr als „ein Ohr hört nicht“.
  • SSD bedeutet im Alltag: kein Richtungshören, schlechtes Sprachverstehen, Belastungen im täglichen Leben
  • Cochlea-Implantate sind derzeit die einzige Behandlungsoption, die beidseitiges Hören wiederherstellen und damit einen unerwünschten zerebralen Umbau sowie SSD-bedingte Nachteile abfedern kann.

9. Juni 2026 – (Innsbruck, Österreich): Einseitige Ertaubung (Single Sided Deafness, SSD) wurde lange unterschätzt. Dabei belegt die Forschung klar: Einseitiges („monaurales“) Hören führt zu gravierenden Einschränkungen im Alltag und zu deutlichen Veränderungen im Gehirn. Neue Erkenntnisse und moderne Cochlea-Implantate (CI) eröffnen Betroffenen die Chance, diese Veränderungen zu einem großen Teil rückgängig zu machen.

Einseitiges Hören: Massive Auswirkungen im Alltag

Menschen, die nur mit einem Ohr hören können, verlieren alle Vorteile des beidseitigen („binauralen“) Hörens. Sie können Schallquellen nicht mehr orten, Entfernungen von Schallquellen nicht richtig abschätzen, Sprache in lauter Umgebung nur schwer verstehen und ermüden schneller. Viele empfinden Gruppengespräche, Restaurantbesuche oder den Straßenverkehr als belastend und ziehen sich zunehmend zurück.

Folgenschwere Reorganisation des Gehirns

Die Erklärung für diese SSD-bedingten Auswirkungen liefert die Neurowissenschaft. Denn nach einer einseitigen Ertaubung reorganisiert sich die Hörrinde. Die Konsequenzen: Ungenutzte Hörareale werden vom gesunden Ohr oder sogar von visuellen und taktilen Reizen übernommen. Die Höranstrengung Betroffener steigt dabei messbar an. Diese neuroplastischen Veränderungen treten sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auf, allerdings unterschiedlich rasch. Besonders kritisch ist SSD in der frühen Kindheit, da sich in dieser Phase die neuronalen Netzwerke ohne auditiven Input schnell umorganisieren.

Cochlea-Implantate für echtes binaurales Hören

Zur Behandlung von einseitiger Ertaubung stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. Nicht alle ermöglichen jedoch die Rückkehr zum echten binauralen Hören mit all seinen Vorteilen. CROS-Systeme und Knochenleitungs-Hörsysteme leiten Schall lediglich vom tauben auf das gesunde Ohr um. Richtungshören und eine zuverlässige Abstandseinschätzung bleiben jedoch unmöglich.
 
Ein Cochlea-Implantat hingegen stimuliert das taube Ohr und ermöglicht so echtes binaurales Hören. Studien und Praxiserfahrungen zeigen:

  • Das Gehirn kann sich nach einer CI-Versorgung erneut umorganisieren, selbst nach Jahren der Taubheit.
  • Kinder profitieren besonders stark, wenn sie früh implantiert werden.
  • Viele Nutzer*innen entwickeln schon innerhalb kurzer Zeit wieder Richtungshören.
  • Betroffene berichten über eine signifikante Verringerung ihres Tinnitus

Dr. Reinhold Schatzer, Experte für Schallkodierung und Signalverarbeitung bei MED-EL sowie ausgewiesener SSD-Spezialist, betont die Bedeutung der neuroplastischen Lernprozesse:
„Das Gehirn ist für das Hören mit zwei Ohren angelegt. Sobald es wieder Signale von beiden Seiten erhält, beginnt es erstaunlich schnell, verlorene Fähigkeiten neu zu entwickeln. Mit einem Cochlea-Implantat können sich neuronale Muster sogar nach vielen Jahren der einseitigen Ertaubung neu organisieren.“

Überzeugende Ergebnisse bei Kindern und Erwachsenen

Seit die einseitige Ertaubung als Indikation für ein Cochlea-Implantat anerkannt ist und die Kosten übernommen werden, entscheiden sich immer mehr Betroffene dafür. Sowohl Kinder als auch Erwachsene profitieren von besserer Orientierung, besserem Sprachverstehen, mehr Sicherheit im Alltag und von Erleichterungen in Schule und Beruf.
 
Eine Betroffene ist Julia G. Nach einem Hörsturz ertaubte ihr rechtes Ohr. Die Zeit mit nur einem hörenden Ohr empfand die begeisterte Hobbymusikerin als sehr belastend, weshalb die Entscheidung für ein CI rasch fiel. „Nach nur kurzer Zeit mit dem CI verstand ich in lauten Umgebungen fast ohne Probleme und konnte wieder erkennen, aus welcher Richtung Geräusche kommen“, berichtet sie. Dass sie wieder musizieren kann, macht die Baden-Württembergerin besonders glücklich.
 
Fazit: Einseitige Ertaubung erschwert den Alltag erheblich, doch ein Cochlea-Implantat kann das

INFOBOX: Einseitige Ertaubung (SSD)

  • Einseitige Ertaubung (SSD) bezeichnet einen schweren bis hochgradigen Hörverlust auf einem Ohr, während das andere Ohr normalhörend ist. 
  • SSD bedeutet mehr als nur mit einem Ohr zu hören: Sie beeinträchtigt die Schallortung, das Sprachverständnis in lauter Umgebung und erhöht den Höraufwand.
  • Das Gehirn passt sich an SSD an: Fehlende Höreindrücke führen zu einer neuroplastischen Umorganisation, die Betroffene schlechter verstehen und schneller ermüden lassen.
  • CROS- und Knochenleitungssysteme leiten Schall an das hörende Ohr, ermöglichen aber kein binaurales Hören.
  • Cochlea-Implantate sind derzeit die einzige Behandlungsmöglichkeit, die das ertaubte Ohr stimuliert und somit echtes binaurales Hören ermöglicht.
  • Eine frühe Versorgung, insbesondere bei Kindern, fördert eine altersgerechte Hörentwicklung und kann einer einseitigen kortikalen Reorganisation entgegenwirken.

Pressekontakt

Manuela Gerstenkorn
Marketing Communications Manager – PR & Partnerschaften
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