
Starnberg, 28. Oktober 2026. Die Gewinnerin des MED-EL-Stipendiums für das Studienjahr 2026/2027 steht fest: Die 21-jährige Finja Goll aus Kirchheim unter Teck erhält die Auszeichnung für ihren außergewöhnlichen Bildungsweg, ihr Engagement und ihre inspirierende persönliche Entwicklung. Mit dem Stipendium unterstützt MED-EL, ein führender Anbieter von Hörimplantatlösungen, junge Menschen mit Hörbeeinträchtigung dabei, ihre akademischen und beruflichen Ziele zu verwirklichen.
Die Jury musste in diesem Jahr unter zahlreichen Bewerberinnen und Bewerber mit starken Leistungen und bewegenden Lebensgeschichten entscheiden. „Finja hat uns mit ihrer Offenheit, ihrem Ehrgeiz und ihrer Fähigkeit beeindruckt, Herausforderungen in Chancen zu verwandeln. Sie zeigt eindrucksvoll, dass eine Hörbeeinträchtigung kein Hindernis sein muss, eigene Ziele zu verfolgen und neue Wege zu gehen“, sagt Gregor Dittrich, Geschäftsführer von MED-EL Deutschland. Finja ist beidseitig mit Cochlea-Implantaten von MED-EL versorgt und trägt aktuell den Audioprozessor SONNET 2. Auf den Wechsel zum neuen SONNET 3 freut sie sich vor allem wegen der verbesserten Möglichkeiten beim Musikstreaming.
Vom verunsicherten Mädchen zur selbstbewussten Studentin
Finja erhielt ihr erstes Cochlea-Implantat im Alter von neun Jahren, das zweite mit 16 Jahren. Der Weg dorthin war nicht immer einfach. In ihrer Schulzeit wurde sie aufgrund ihrer Hörschädigung gemobbt und entwickelte zeitweise soziale Ängste. Gespräche mit unbekannten Menschen oder alltägliche Situationen wie das Bestellen im Restaurant kosteten sie viel Überwindung. Heute blickt sie zurück: „Ohne Cochlea-Implantate wäre ich niemals dort, wo ich heute bin. Ich habe gelernt, dass hörgeschädigt zu sein nicht bedeutet, weniger zu können. Viele schränken sich stärker ein, als sie eigentlich müssten.“
Ein wichtiger Wendepunkt war der Wechsel auf ein Internat für hörgeschädigte Jugendliche in der Nähe von Freiburg. Dort traf sie erstmals auf Menschen mit ähnlichen Erfahrungen, fand neue Freunde und gewann Selbstvertrauen. Kleinere Klassen und ein Umfeld, das ihre Bedürfnisse verstand, halfen ihr dabei, ihr Potenzial zu entfalten. Mit 18 Jahren wagte Finja den nächsten großen Schritt: ein Auslandsjahr in den USA. An einer Schule in Iowa absolvierte sie ihr Highschool-Diplom, weit entfernt von Familie, Freunden und dem vertrauten Umfeld. „Dort habe ich gemerkt, dass ich viel mehr schaffen kann, als ich mir selbst zugetraut hatte“, erzählt sie.
Erfolgreich im Studium, engagiert im Alltag
Heute studiert Finja Wirtschaftswissenschaften im 3. Semester an der Universität Konstanz mit dem Schwerpunkt Personalpsychologie. Neben ihrem Studium engagiert sie sich in der Fachschaft und arbeitet in einem Restaurant, ein Job, den sie sich früher niemals zugetraut hätte. „Als Kind habe ich immer gesagt, dass ich nie in einem Restaurant arbeiten würde, da es viel zu hektisch und laut sei“, berichtet sie. „Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und bekomme oft positives Feedback von Gästen.“
Gerade Erfahrungen wie diese möchte sie an andere Betroffene weitergeben. Ihr Rat: „Lasst Euch nicht einschränken. Geht selbstbewusst mit einer möglichen Beeinträchtigung um, tragt es nach außen, macht all das, was man auch machen würde, wenn man normalhörend wäre.“
„Finjas Geschichte zeigt eindrucksvoll, was mit Eigeninitiative, Ausdauer und der richtigen Unterstützung möglich ist. Sie ist ein Vorbild für viele junge Menschen mit Hörverlust“, resümiert MED-EL-Geschäftsführer Dittrich.
Über das MED-EL-Stipendium
Mit dem MED-EL Stipendium unterstützt MED-EL Deutschland jährlich junge Menschen mit Hörbeeinträchtigung aller Fachrichtungen und Nationalitäten sowohl in Universitäten als auch in Fach-/Hochschulen. Ausgezeichnet werden Bewerberinnen und Bewerber, die neben guten akademischen Leistungen durch Engagement, persönliche Entwicklung und Zukunftsorientierung überzeugen. Die Laufzeit beträgt in der Regel zwei Semester, die Fördersumme 300 Euro pro Monat. Kontakt und weitere Informationen: Bernd.Seils@medel.de.
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