
An dem Jubiläumsfest nahmen 140 Personen teil.
Das HÖRMobil des DSB stand vor den Toren der Klinik – 2 Beraterinnen unter der Leitung von Michaela Härtel standen für Fragen und Vorinformationen zur Verfügung.


Für kommunikative Barrierefreiheit sorgte die Schriftdolmetscherin Frau Carmen Hick aus Wadgassen (Saarland). Aus Oberammergau wurde Frau Susanne Loftin unsichtbar über WLAN zugeschaltet.

Prof. Preyer rechnete vor: 125 Jahre Schwerhörigenbewegung + 35 Jahre Verein der Schwerhörigen und Spätertaubten Karlsruhe e.V. + 10 Jahre Ohrenschwerpunkt der HNO-Klinik+ 5 Jahre CI-Zentrum im Ohrenschwerpunkt ergeben 175 Jahre – ein Element des Logos.
Auch die ViDia-Kliniken sind 175 Jahre alt – sie sind ein Zusammenschluss des evang. Diakonissen-Krankenhauses Rüppurr und des katholischen Krankenhauses der Nonnen von St.Vinzentius. Beide Krankenhäuser wurden vor 175 Jahren unabhängig voneinander gegründet – Zufall? Damals gab es noch keine ökumenische Zusammenarbeit!
Prof. Dr. Serena Preyer (Ärztliche Direktorin der HNO-Klinik der ViDia Kliniken) eröffnete das Jubiäumsfest und begrüßte das Publikum.

Weitere Grußworte sprachen Richard Wentges (Vorstandsvorsitzender der ViDia Klinken), Bettina Lisbach (1.Bürgermeisterin, zuständig für Umwelt, Katastrophenschutz und Gesundheit der Stadt Karlsruhe), Dr. Matthias Müller (Präsident des DSB) und Dr. Roland Zeh (Präsident des DCIG) und Stefan Heidland (Mitveranstalter und Vorsitzender des Karlsruher Schwerhörigenvereins).





Besondere Ehrung erfuhr das einzige lebende Gründungsmitglied des Karlsruher Schwerhörigenvereins, der emeritierte Landespfarrer für Hörgeschädigte der evang. Landeskirche Badens Kurt Wielandt-Holtzhausen. Mit seiner Frau kam er extra angereist.

Vor 35 Jahren hatte er mit 8 anderen, die alle nicht mehr leben, den Verein gegründet, und war auch im geschäftsführenden Vorstand als Schriftwart tätig. Gewissenhaft kam er von Heidelberg zu jeder Sitzung, und nach 2 Tagen war das Protokoll in den Briefkästen! Nun ist er 91 – der Vorsitzende des Vereins Stefan Heidland überreichte ihm eine Geschenktasche mit der Ehrenurkunde für 35 Jahre Mitgliedschaft – Ehrenvorsitzender ist er schon lange.
Prof. Peter Kiefer, Universität Mainz, hielt den Festvortrag zum Thema „Klangwelten-Weltenklänge-Hören und Zuhören jenseits von Kommunikation“. Ein Vortrag mit überraschenden Informationen. Z.B. wurde beim Klangwein-Projekt „Beethoven 250“ ein musikalisches Wein-Experiment durchgeführt: der gleiche Rüdesheimer Riesling wurde während der Gärung und Reifung mit verschiedenen Musikstücken beschallt. Das Ergebnis: derselbe Wein schmeckte unterschiedlich – je nach Musik! Dass die Musik auch noch herausgeschmeckt wird … unerHÖRT!

Anschließend führte Frau Prof. Preyer durch das mannigfaltige Programm.
Zunächst zum Themenblock: „Schwerhörigkeit verstehen und therapieren“. Prof. Dr. A. Gummer gab Aktuelles aus der Hörforschung zum Besten.

Infos zu medikamentösen Therapien, zur Gentherapie sowie zu operativen Therapien. Es hat sich in letzter Zeit wirklich viel getan und es gibt viele Hoffnungen!

Nach dem Mittagessen gab es dann der Themenblock „Schwerhörigkeit im Alltag“. Viele staunten nicht schlecht, als Stefan Heidland in Frack und Zylinder Margarethe von Witzleben (alias Uta Dörfer) galant am Arm hereinführte. Das Double schilderte das schwierige Leben der Margarethe v. Witzleben als Frühschwerhörige. Sie gründete Deutschlands ersten Schwerhörigenverein in Berlin – der Beginn der Schwerhörigenbewegung vor 125 Jahren. Der Deutsche Schwerhörigenbund in der heutigen Form wurde erst 1949 gegründet.
Es ist einfach großartig, dass Lehrer für Hörgeschädigte sich auch in ihrer Freizeit für ihr Klientel engagieren, wie Frau Dörfer dies noch im hohen Alter (86 Jahre) tut.


Weiter zu Wort kamen Katrin Halter, Hörgeschädigten-Pädagogin, die von Kind an schwerhörig ist und CI trägt, der Akustiker Wolf-Peter Ziegler über die Erstanpassung von Hörgeräten und auch Stefan Heidland über den Umgang mit Hörgeminderten. Heidland stellt klar, dass alle Behinderten zusätzliche Anstrengungen leisten müssen als ,,andere“ – eine noch so gut gemeinte Inklusion kann deshalb kaum vollständig ausgleichen. Er wies auf die erheblichen Defizite beim adäquaten Umgang mit hörgeminderten Patienten und Heimbewohner/innen hin. Er stellte außerdem die Frage, wie im Beherbergungsgewerbe Hörgeschädigte und Gehörlose nachts bei Alarmen aus den Federn geholt würden – die Sirenen werden nicht gehört und es bleiben danach noch 4 Minuten, um sich zu retten.



Die Hörgeschädigten-Pädagogin Tanja Richter referierte über die Praxis des Schulunterrichts für Hörgeschädigte und verglich sie mit den Regelschulen. Es stellte sich dabei heraus, dass in der modernen Hörgeschädigten-Pädagogik das Lautieren und Absehen vom Gesicht ersatzlos entfallen sind. Das unschätzbare Know-How klassischer Taubstummenpädagogik geht verloren. Eine Folge der Anerkennung der Gebärdensprache als eine der offiziellen 8 Minderheitensprachen in Deutschland – Sprecherziehung und Sprachkommunikation werden nicht mehr angeboten.

Behinderte Schüler müssen größeres Pensum leisten ans Regelschüler!

Margarethe von Witzleben überreicht Frau Richter ihre Biografie.
Auch bei Kindern ohne Hörschädigung besteht Bedarf an Sprecherziehung. Logopädin Martina Michalke demonstrierte dies an Kindern, deren Eltern selber sprachlich eingeschränkt sind. Im letzten Drittel der Veranstaltung gab es Informationen zur technischen Versorgung von Schwerhörigkeit.
Das Cochlea-Implantat (CI) stand im Mittelpunkt. Priv. Doz. Dr. F. Schrötzlmair aus dem Klinikum Großhadern in München erörterte die Implantation durch die Robotik. Ergebnis: die Statistik liefert keine gesicherten Ergebnisse, weil für die notwendigen Gruppenvergleiche die Anzahl der Fälle viel zu klein ist. Die modernen Operationstechniken, mit oder ohne Roboter, sind so ausgereift, dass mindestens 100.000 Patienten im Pool sein müssten, um statistisch abgesicherte Ergebnisse zu liefern. Es sei daher noch viel zu früh, schon jetzt wissenschaftlich abgesicherte Ergebnisse zu liefern. Daher könne noch gar nicht gesagt werden, ob z.B. das Sprachverständnis sich durch den Robotereinsatz statistisch signifikant verbessert. Eine gute Demonstration der wissenschaftlichen Praxis ohne Selbstverliebtheit!

Vertreter der 3 CI-Hersteller referierten über die Perspektiven, Optimierungen und neuen Entwicklungen der schon vorhandenen CI-Technologie. Zum Abschluss moderierten Prof. Preyer und Stefan Heidland die Diskussion mit dem Publikum.
Stefan Heidland denkt Frau Prof. Preyer und ihrer Assistentin Frau Gundlach und ihrem Sekretariat für die tatkräftige Unterstützung:


Der Tag mit für viele wohl zu dicht gepackten Informationen ging mit 90 Minuten in die „Verlängerung“.
Verfasser: Stefan Heidland auf der Basis des Berichts von Beate Schwemmer aus Leipzig
